Korreliert die Leistungsmenge eines Krankenhauses mit der chirurgischen Prozesszeit?

Autoren: O. Karaca, M. Bauer, C. Taube, T. Auhuber & M. Schuster
Zeitschrift: Der Anästhesist
Retrospektive Analyse der jeweils fünf häufigsten Prozeduren aus den Bereichen Viszeralchirurgie, Unfall‑/orthopädische Chirurgie und Gynäkologie/Geburtshilfe aus dem Benchmarking-Programm von BDA, BDC und VOPM
Zusammenfassung:
Hintergrund: Die seit 2004 geltenden Mindestmengenvereinbarungen für bestimmte operative Leistungen in deutschen Krankenhäusern werden bis heute kontrovers diskutiert. Die vorliegende Studie untersucht erstmalig multizentrisch den Zusammenhang zwischen erbrachter Leistungsmenge im Krankenhaus und der chirurgischen Prozesszeit. Hintergrund ist hierbei die Frage, ob eine Konzentration auf häufig durchgeführte Operationen zu einer Reduktion der chirurgischen Prozesszeit führt.
Methode: In einer retrospektiven Analyse wurden die je 5 häufigsten spezifischen Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS) aus der Viszeralchirurgie, der Unfallchirurgie/Orthopädie und der Gynäkologie/Geburtshilfe in den am Benchmarking-Programm teilnehmenden Krankenhäusern untersucht. Zu jedem OPS wurden die Krankenhäuser je nach erbrachter Leistungsmenge im Zeitraum zwischen 2013 und 2015 in 4 Gruppen eingeteilt. Berechnet wurden die Mittelwertunterschiede der Schnitt-Naht-Zeit zwischen der Gruppe mit „sehr niedrigem“ Leistungsvolumen und den anderen 3 Gruppen („niedrig“, „hoch“ und „sehr hoch“).
Ergebnisse: Es wurden die Operationsfälle aus 75 Krankenhäusern ausgewertet. Die Anzahl eingeschlossener Fälle je OPS lag zwischen 31.940 und 2705. Die durchschnittliche Anzahl der durchgeführten Operationen in einem spezifischen OPS lag bei den Krankenhäusern mit sehr hohem Leistungsvolumen in der Regel bei dem 3‑ bis 4‑Fachen der Krankenhäuser mit sehr niedrigem Leistungsvolumen. Ein linearer Zusammenhang zwischen Leistungsmenge und Schnitt-Naht-Zeit erscheint nur bei den laparoskopischen Cholezystektomien und Appendektomien und bei den arthroskopischen Meniskusoperationen deutlich zu erkennen zu sein: Eine hohe Fallzahl führt zur Reduktion der Schnitt-Naht-Zeit. Ansonsten zeigten sich die chirurgischen Prozesszeiten zwischen den Krankenhausgruppen in den einzelnen OPS uneinheitlich.
Schlussfolgerung: Die Leistungsmenge scheint nur bei laparoskopisch/arthroskopischen Operationen einen – zudem begrenzten – direkten Einfluss auf die Schnitt-Naht-Zeiten zu haben. Die Leistungsmenge scheint in Bezug auf die OP-Ökonomie insgesamt von eher untergeordneter Bedeutung zu sein.

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